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Leichte Sprache für barrierefreie Webseiten

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Leichte Sprache ist seit 2020 fester Bestandteil der BITV 2.0. Der Beitrag erklärt, was Leichte Sprache von Einfacher Sprache unterscheidet und welche Regeln für barrierefreie Texte gelten.


Was bedeutet Leichte Sprache in Bezug auf die Barrierefreiheit einer Website?

Wenn es um die Barrierefreiheit einer Website geht, spricht man auch häufig von Leichter Sprache. Doch: Was genau bedeutet das in Bezug auf die Barrierefreiheit einer Website?

Seit September 2020 sind Webseitenbetreiber öffentlicher Einrichtungen verpflichtet, ihre Webseiten, Apps oder weitere digitale Angebote barrierefrei zu gestalten. Neben technischen Faktoren legt die BITV 2.0 „Barrierefreie Informations-Technik-Verordnung“ auch Anforderungen fest, die die Verwendung von Leichter Sprache betreffen.

Leichte Sprache ist eine einfache, verständliche Form der Sprache, die für Menschen mit Lern- oder Kommunikationsschwierigkeiten zugänglicher ist. Sie verwendet klare, kurze Sätze, einfache Worte und Bilder, um komplexe Inhalte zu vermitteln.

Warum gibt es Leichte Sprache?

Leichte Sprache wurde entwickelt, um eine bessere Kommunikation und Verständigung für Menschen mit Lern- oder Kommunikationsschwierigkeiten zu ermöglichen. Dazu gehören zum Beispiel Menschen mit Lernbehinderungen, geistiger Beeinträchtigung, Analphabeten oder Menschen mit Migrationshintergrund. Leichte Sprache soll Barrieren in der Kommunikation beseitigen und ein besseres Verständnis für alle Beteiligten ermöglichen, unabhängig von ihren sprachlichen oder kognitiven Fähigkeiten.

Personen mit Lern- oder Kommunikationsschwierigkeiten sind zum Beispiel:

  • Menschen mit Lernschwierigkeiten
  • Demenzkranke Menschen
  • Menschen mit Migrationshintergrund
  • Menschen, die Schwierigkeiten beim Lesen haben

Ziel ist es, Menschen mit Beeinträchtigungen die Möglichkeit zu geben, selbstständig auf Informationen öffentlicher Stellen zuzugreifen und digitale Dienstleistungen in Anspruch nehmen zu können.

Abgrenzung zur Einfachen Sprache

Einfache Sprache und Leichte Sprache sind beide Formen der Kommunikation, die auf Verständlichkeit und Einfachheit abzielen – für beide gilt zum Beispiel, auf Fremdwörter zu verzichten. Es gibt jedoch feine Unterschiede zwischen ihnen.

Einfache Sprache

Hier werden kurze, einfache Sätze und einfache Worte verwendet, um eine breite Zielgruppe zu erreichen. Sie ist jedoch nicht speziell für Menschen mit Lern- oder Kommunikationsschwierigkeiten ausgelegt.

Leichte Sprache

Hier werden spezielle Regeln und Kriterien angewendet, um die Inhalte für Menschen mit Lern- oder Kommunikationsschwierigkeiten zugänglicher zu machen. Dies beinhaltet die Verwendung von einfachen Worten, kurzen Sätzen und visuellen Hilfen, um komplexe Inhalte zu vermitteln.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Leichte Sprache eine spezielle Form der Einfachen Sprache ist, die sich auf eine besondere Zielgruppe konzentriert.

Was sind die Anforderungen für BITV-konforme Websites?

Per Gesetz müssen alle öffentlichen Einrichtungen barrierefreie Online-Präsenzanforderungen umsetzen. Dazu gehören alle staatlichen Ebenen (Bundes-, Landes- und kommunale Einrichtungen) sowie Krankenhäuser und verschiedene Leistungserbringer wie städtische Verkehrsbetriebe.

Die Ergänzung von Informationen in Leichter Sprache und Gebärdensprache ist mittlerweile gesetzlich verankert und Teil der Anforderungen der BITV 2.0 für BITV-konforme Websites. In Leichter Sprache müssen zum Beispiel die Informationen zu den wesentlichen Inhalten des Onlineauftritts und der Erklärung zur Barrierefreiheit vorhanden sein, Hinweise zur Navigation sowie – falls vorhanden – Hinweise auf weitere Informationen in Leichter Sprache im Webauftritt.

Hier sind einige wichtige Anforderungen, die nach BITV für Websites in Bezug auf Leichte Sprache gelten:

  • Übersichtlichkeit: Die Inhalte müssen einfach und verständlich sein, um eine einfache Navigation und Verständlichkeit zu gewährleisten.
  • Verständlicher Text: Der Text sollte einfach und verständlich formuliert sein, mit kurzen Sätzen und einfachen Wörtern.
  • Verwendung von Bildern: Bilder und Symbole können verwendet werden, um die Inhalte zu erklären und zu veranschaulichen.
  • Überschriften: Überschriften sollten eindeutig sein und die Inhalte der jeweiligen Seite klar beschreiben.
  • Zugänglichkeit: Die Inhalte sollten für alle Nutzer, einschließlich Nutzern mit Einschränkungen, leicht zugänglich sein.
  • Überprüfbarkeit: Die Inhalte sollten regelmäßig überprüft werden, um sicherzustellen, dass sie weiterhin verständlich und zugänglich sind.

Es gibt feste Vorgaben, die sich an den Regeln des Netzwerk Leichte Sprache e.V. orientieren.

Die Regeln für Leichte Sprache

Regeln für Wörter

Leichte Sprache zeichnet sich durch kurze, einfache Wörter aus, die Dinge genau beschreiben. Das bedeutet beispielsweise, dass Redewendungen, Fachjargon, Fremdwörter und Abkürzungen nicht verwendet werden. Grundsätzlich sollten Verben anstelle von Substantivierungen verwendet werden. Genitiv und Konjunktiv sollten weitestgehend vermieden werden, und Sätze werden aktiv statt passiv formuliert.

Regeln für Zahlen und Zeichen

Alte Jahreszahlen und hohe Zahlen werden durch Formulierungen wie „sehr viel“ oder „vor langer Zeit“ ersetzt. Darüber hinaus gibt das Regelwerk Empfehlungen zur Schreibweise von Uhrzeiten, Datumsangaben, Telefonnummern oder Zeitangaben. Hier hängt es vom Kontext ab, welche Schreibweise besser verständlich ist.

Regeln für Sätze

Es werden kurze Sätze mit einfachem Satzbau verwendet, und jeder Satz enthält nur eine Information. Einschübe und Sonderzeichen in Klammern sind zu vermeiden.

Regeln für Texte

Die Leserinnen und Leser sollen, soweit inhaltlich sinnvoll, persönlich angesprochen werden. Fragen sowie Querverweise auf andere Textstellen oder Texte sollen vermieden werden.

Regeln für Gestaltung und Bilder

Es ist wichtig, eine gute, übersichtliche Struktur für die Texte einzuhalten. Zwischenüberschriften, Absätze und das Hervorheben wichtiger Informationen machen den Text leichter verständlich. Aufzählungen können am übersichtlichsten durch Bullet Points aufgelistet werden. Um das Verständnis des Textes zu erleichtern, werden passende Bilder eingesetzt. Diese sollten eine gute Qualität haben, damit sie für alle gut erkennbar sind.

Darüber hinaus gilt:

  • Wörter werden nicht getrennt: Ist ein Satz zu lang für eine Zeile, wird eine neue Zeile begonnen und das Wort ausgeschrieben.
  • Wichtige Inhalte werden vorangestellt.
  • Es gibt keine Satztrennung, wenn auf eine neue Seite gewechselt wird – der Satz wird als Ganzes auf der neuen Seite begonnen.
  • Das Gleiche gilt, wenn umsetzbar, auch für Absätze.
  • Als Schriftart wird eine einfache, gut lesbare und große Schrift verwendet.
  • Der Zeilenabstand beträgt mindestens 1,5 cm und muss für die Besucher größer skalierbar sein.
  • Die Texte sind immer linksbündig formatiert, es wird kein Blocksatz verwendet.
  • Schriftfarben heben sich durch den Kontrast deutlich vom Hintergrund ab.

Prüfen von Texten in Leichter Sprache

Prüfen von Texten in Leichter Sprache

Um zu prüfen, ob ein Text allen Regeln der Leichten Sprache entspricht, beurteilen Prüferinnen und Prüfer die Verständlichkeit des Textes. Diese Prüferinnen und Prüfer haben selbst Lernschwierigkeiten. Stoßen sie auf Verständnisprobleme, erfüllt der Text nicht alle Anforderungen und muss überarbeitet werden.

Kann man Leichte Sprache selbst umsetzen?

Die Übertragung von Texten in Leichte Sprache kann nicht mit Übersetzungen in eine Fremdsprache verglichen werden – sie einfach so zu übersetzen ist aufgrund der vielen Anforderungen sehr komplex. Aus diesem Grund gibt es mittlerweile spezielle Agenturen, die sich auf die Übersetzung in Leichte Sprache spezialisiert haben.

Fazit

Leichte Sprache ist ein zentraler Baustein barrierefreier Websites und seit 2020 für öffentliche Einrichtungen gesetzlich vorgeschrieben. Wer die Regeln des Netzwerk Leichte Sprache e.V. konsequent umsetzt – kurze Sätze, einfache Wörter, klare Struktur und passende Bilder – macht digitale Inhalte für Menschen mit Lern- oder Kommunikationsschwierigkeiten erst wirklich zugänglich. Da die korrekte Übertragung in Leichte Sprache komplex ist, lohnt sich häufig die Zusammenarbeit mit spezialisierten Agenturen oder eine fachkundige Beratung.