BITV-Konformität prüfen: Überblick
Ein Onlineauftritt ist barrierefrei, wenn sich vorhandene Einschränkungen beim Hören, Sehen, Bewegen oder bei der Verarbeitung von Informationen nicht nachteilig darauf auswirken, wie das Web genutzt werden kann. Dazu gehören nicht nur die Website selbst, sondern auch alle eingebundenen Medien und Dokumente wie Videos und PDFs.
Seit öffentliche Einrichtungen seit September 2020 gesetzlich zur digitalen Barrierefreiheit verpflichtet sind, ist vielen Website-Betreiber:innen die Relevanz und Tragweite bewusst geworden. Digitale Barrieren sind zum Beispiel:
- Menschen mit Sehbehinderungen haben Schwierigkeiten, Text- und Formularfelder zu erkennen, die sich nur wenig vom Hintergrund abheben.
- Ohne Untertitel können Gehörlose oder Schwerhörige Videos nicht nutzen.
- Ohne textliche Beschreibung für Bilder, Buttons und Formulare können blinde Menschen Websites nicht nutzen.
Der folgende Beitrag zeigt, welche Möglichkeiten es gibt, um zu prüfen, ob eine Website BITV-konform (nach BIK) ist, wie hoch die Kosten für einen BITV-Test sind und wie sich ein Internetauftritt barrierefrei gestalten lässt.
Welche Möglichkeiten habe ich, eine Website auf Barrierefreiheit zu prüfen?
Um eine Website gemäß den Anforderungen der Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) zu prüfen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten: automatische Prüfungen oder ein manuelles Testverfahren durch Expert:innen des Prüfverbundes bzw. in Selbstbewertung. Beide Verfahren lassen sich auch kombinieren; je nach Testart ist dies mehr oder weniger zeit- und kostenintensiv.
Die BITV-Selbstbewertung
Mit der BITV-Selbstbewertung lässt sich mithilfe eines kostenlosen webbasierten Tools die Barrierefreiheit einer Website oder mobilen Anwendung selbst überprüfen. Anhand einer Checkliste mit 98 Prüfschritten kann der Barriere-Status einer Website beurteilt und mögliche Barrieren identifiziert werden. Die Bewertung lässt sich speichern und später weiterbearbeiten; Ergebnisse können pro Testschritt oder pro Seite angezeigt werden. Die Zuverlässigkeit der Ergebnisse hängt jedoch davon ab, wie vertraut man mit den Testverfahren des BITV-Tests ist.
Easy Check und automatisierte Tests
Der Easy Check
Diese einfachen Tests geben einen ersten Eindruck von der Barrierefreiheit einer Website. Sie wurden bewusst reduziert entwickelt und decken nur einen kleinen Teil der Barrierefreiheits-Anforderungen ab – geprüft werden etwa Dokumententitel, Alternativtexte, Kontraste und Vergrößerbarkeit. Trotz erfolgreicher Auswertung können für Menschen mit Behinderungen weiterhin Zugangsbarrieren bestehen – und umgekehrt können vermeintliche Barrieren gefunden werden, die gar nicht existieren. Wer seine Website umfassend testen möchte, sollte die Selbsteinschätzung nutzen oder den BIK-BITV-Test beauftragen.
Automatisierte Tests
Kostenlose Online-Tools wie AChecker, Google Lighthouse oder Wave testen Websites automatisiert auf Barrierefreiheit. Sie können zwar eine Vielzahl formaler Mängel erkennen, die Einhaltung der Norm aber nicht vollständig überprüfen, da automatisiertes Testen nur einen Bruchteil der BITV-Anforderungen abbildet – ein Tool kann etwa prüfen, ob ein Bild einen Alternativtext hat, aber nicht, ob dieser inhaltlich korrekt ist. Dennoch sind automatisierte Tools für einen ersten Eindruck und als Ergänzung zum personenbezogenen Testen hilfreich.
Der BITV-Test und das BITV-konforme Prüfzeichen
Der BITV-Test durch eine offizielle Prüfstelle ist ein umfassendes und zuverlässiges Prüfverfahren, um die Barrierefreiheit von Webangeboten zu prüfen. Er vergleicht den Webauftritt mit den Anforderungen der BITV und zeigt durch Kommentare Optimierungsbedarf auf – allerdings sind diese Rückmeldungen häufig nur für erfahrene Entwickler:innen mit Hintergrundwissen zum Thema Barrierefreiheit verständlich.
Der Test wurde vom BIK-Projekt (Barrierefreie Information und Kommunikation) in Zusammenarbeit mit Behindertenorganisationen, Webdienstanbietern und Expert:innen entwickelt und ist seit mehr als 15 Jahren in Deutschland etabliert. Er überprüft die Website oder Anwendung in 98 Prüfschritten – unterteilt in Kategorien wie Text, Bilder, Navigation und Interaktion – und endet mit einem ausführlichen Testbericht.
Sind alle anwendbaren Prüfschritte erfüllt und die geprüften Seiten mit „konform“ bewertet, kann das „BIK BITV-konform“-Prüfzeichen auf der Website eingebunden werden. Die Anforderungen dafür sind anspruchsvoll, weshalb oft zwei offizielle Tests notwendig sind: Der erste ermittelt den aktuellen Stand und zeigt Optimierungsmöglichkeiten auf, der zweite prüft das verbesserte Angebot und führt im Idealfall zum Prüfzeichen.
Wie hoch sind die Kosten für einen BITV-Test?
Die BITV-Selbstbewertung ist kostenlos, allerdings sehr aufwendig und zeitintensiv. Für einen BITV-Test durch Expert:innen des Prüfverbundes gibt es keinen Pauschalpreis, da die Kosten je nach Anbieter und Testumfang variieren – unter anderem abhängig vom Komplexitätsgrad und der Anzahl der zu testenden Seiten. Es empfiehlt sich, Kosten und Leistungen verschiedener Anbieter zu vergleichen.
Die zu testenden Seiten werden individuell einer von vier Komplexitätsstufen zugeordnet, die jeweils mit einem Faktor auf den Grundpreis pro Seite multipliziert werden. Beispiel: Ein Impressum oder eine einfache Textbildseite (Komplexitätsstufe 1, Faktor 1) kostet bei einem Grundpreis von 380 Euro auch 380 Euro. Eine umfangreiche oder komplexe Seite (Komplexitätsstufe 3, Faktor 2) kostet bei einem Grundpreis von 760 Euro entsprechend 1.520 Euro. Der Gesamtpreis ergibt sich aus der Summe der einzelnen Seitenpreise.
Fazit: Ist eine offizielle BITV-Zertifizierung sinnvoll?
Die Frage lässt sich nicht mit einem klaren Ja beantworten. Fakt ist: Die BITV verpflichtet Webangebote des Bundes und andere öffentliche Stellen zur Barrierefreiheit. Ein offizieller BIK-BITV-Test hilft zuverlässig, den Status quo der Barrierefreiheit zu überprüfen, bestehende Mängel zu identifizieren und möglichen Sanktionen vorzubeugen.
Neben dem beauftragten Test kann die BITV-Selbstbewertung eine gute Alternative sein, wenn kostenintensive Prüfungen vermieden werden sollen – vorausgesetzt, es sind ausreichende Zeitressourcen und Know-how vorhanden, da der abschließende Bericht nicht als offizieller Nachweis der Barrierefreiheit genutzt werden kann.
Digitale Barrierefreiheit bietet neben der rechtlichen Notwendigkeit weitere Vorteile: Die Benutzerfreundlichkeit wird für alle Nutzer:innen optimiert, Angebote sind einfacher und intuitiver zu nutzen, Texte sind einfacher geschrieben und besser strukturiert. So hilft Barrierefreiheit nicht nur Menschen mit Einschränkungen, sondern allen Nutzer:innen.